Unterweisenborn

… erschien erstmals in der gleichen Urkunde von 1314 wie Oberlengsfeld, und zwar als „inferior wyzzenborn“, also auch zur Unterscheidung zum heutigen Oberweisenborn, das zum fuldischen Gebiet um Schloss Fürsteneck gehörte. Der rund 2 Kilometer südlich von Schenklengsfeld gelegene Ort ist ein sehr alter Siedlungsplatz, wie das 1920 am Osthang des nahen Ringberges entdeckte Urnengräberfeld mit Resten einer germanischen Siedlung aus dem 2. und 3. Jahrhundert beweist.

Um1413 hieß das Dorf am Oberlauf der Solz „Niedern Wissinborn“ und 1585 nur „Wiessenborn“. Die Herkunft der beiden Ortsnamen, Ober- und Unterweisenborn, ist also mit der bei Oberweisenborn entspringenden Quelle (der weisse Born) der Solz zu erklären. 18 Haushalte zählte man 1585, aber nur noch vier 1639, nachdem auch hier der 30jährige Krieg seine Opfer gefordert hatte. Doch schon nach fast 110 Jahren, 1747, waren in Unterweisenborn wieder 29 Familien ansässig. 1826 hatte der Ort 117 Einwohner, die in 24 Häusern nebst Stallungen und Scheunen lebten. In den nachfolgenden Jahrzehnten blieb die Bevölkerungszahl relativ konstant, denn 1895 besaß Unterweisenborn 121 und 1939 auch nur 123 Einwohner, heute sind es 115.

Die 1826 abgeschlossene Kataster-Vorbeschreibung nennt Burghard Klebe als Schultheiß und Jakob Stang als Taxator (Steuerschätzer). Unter den 117 Einwohnern werden aufgezählt sieben Knechte und drei Mägde, ferner je ein Müller, Schmied, Schuhflicker, Schneider, Schäfer, Tagelöhner und fünf Spinner. Möglicherweise sang man in jener Zeit schon das „Spinnerlied“, das der Chronik einer alteingesessenen Familie entnommen ist. Es lautet:

Spinn, spinn, spinn Tochter mein,
morgen kommt der Freier dein.
Die Tochter spann, die Träne rann,
doch niemals kam der Freiersmann.

Am Dorfausgang nach Ufhausen liegt rechts die Mühle, von der es 1826 heißt, dass sie „mit einem oberschlägigen Triebrad versehen, und nur einen Mahlgang hat, der oftmals sehr schwer gehet“. Besitzer sei Jakob Stang, doch soll sie 1801 von einem gewissen Koch erbaut worden sein.1839 übernahm die Familie Reinhard die Mühle, die noch bis 1950 für den Eigenbedarf Schrot gemahlen hat.

In der oben genannten Beschreibung von 1826 wird „ein kleines Bet- und Glockenhäuschen“ erwähnt, „worin der Schulmeister jeden Sonntagnachmittag Betstunde hält“. Das zweistöckige Fachwerkgebäude steht heute noch, es befindet sich in der Mitte des Dorfes neben dem einstöckigen alten Schulhaus aus Backsteinen. Auf dem oberen Querbalken der vermauerten Eingangstür ist deutlich die Zahl 1776 zu lesen. Das als Bethaus bezeichnete Gebäude war jedoch eine kleine Kirche, die eine umlaufende Empore und einen Altartisch aus Stein besaß. Bis in die zwanziger Jahre haben hier noch Trauungen stattgefunden. Das im Dachreiter hängende Glöckchen wurde zum Abend- und Totenläuten benutzt, bis es schließlich während des letzten Krieges abgeliefert werden musste. Gleich nach dem Kriege erhielt die Kirche ein neues Dach, wobei der Dachreiter verschwand. Das Gebäude diente dann lange Jahre als Wohnhaus, es steht heute leer.

Einen „Schulhalter“ hatte Unterweisenborn spätestens ab 1807, wie das Schulprotokoll des Schenklengsfelder Pfarrers ausweist. Da ein Schulgebäude damals fehlte, wurden die 28 Kinder vom Schulmeister „reihum“ unterrichtet, also der Reihe nach in jedem Haus. Dies führte offensichtlich immer wieder zu Schwierigkeiten, so dass die Gemeinde schließlich ein zweistöckiges Fachwerkhaus mit Wirtschaftsgebäuden als Schul- und Lehrerhaus erwarb. Erst später, um die Jahrhundertwende, wurde das bereits erwähnte Schulgebäude mit einem Klassenraum erbaut. Auch die Kinder vom Nachbarort Landershausen besuchten bis zum Bau ihrer eigenen Schule im Jahre 1935 die Schule in Unterweisenborn. Die Anfang der fünfziger Jahre gebaute neue Schule dient heute als Dorfgemeinschaftshaus.

Jubiläumsjahr 2014 – 700 Jahre Unterweisenborn

Unterweisenbörner Bürger im Jubiläumsjahr 2014

Hintere Reihe von links: Ronny Schlöder, Nicklas und Vater Jürgen Ehlert, Udo Rudolph, „Karli“ Reinhard, Willi Göbel, Lothar Budesheim, Dietmar Scherp, August Hohmann.
Mittlere Reihe von links: Sarah Heidenreich, Cornelia Ehlert, Marlene Scherp, Elisabeth Reinhard, Elsbeth Göbel, Karl-Heinz von Keitz, Helma Leister, Inge Rudolph, Brunhilde Schneider, Gabi Thomas, Gerlinde Knott, Georg Bock, Martha Hohmann, Heinrich Knott, Monika Hase, Marie-Luise Hengstenberg, Tobias Hase.
Vordere Reihe von links: Pelin Sekerci, Melanie Schlöder, Felix Schlöder, Jasmin Hase, Ekin Sekerci, Sarah Ehlert, Simon Schlöder, Fabian Hase.

Freiwillige Feuerwehr Unterweisenborn

Vor der Gründung der freiwilligen Feuerwehr bestand in Unterweisenborn, wie in anderen Orten auch, eine Pflichtfeuerwehr. In der Pflichtfeuerwehr waren alle männlichen Einwohner zwischen dem 17. und 60. Lebensjahr „verpflichtet“ , bei Bränden Hilfe zu leisten.

Im Jahre 1930 wurde dann getreu dem Wahlspruch
„Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr“
die Freiwillige Feuerwehr Unterweisenborn gegründet.

Die Gründungsmitglieder waren:
Johannes Sippel
Heinrich Bock (Wirt)
Heinrich Jäger
Oskar Rüger
Georg Hofmeister
Heinrich Götz
1930 bis 1950 Heinrich Bock, Ortsbrandmeister
Zum ersten Ortsbrandmeister wurde Heinrich Bock gewählt, der die Feuerwehr bis 1950 führte. Das erste Spritzenhaus stand in der Ortsmitte und wurde später abgerissen. Die Ausrüstung bestand aus einer Hand-Druckspritze.
1951 bis 1964 Adolf Möller, Ortsbrandmeister

Im Oktober 1960 wurde die Hand-Druckspritze durch eine motorbetriebene Tragkraftspritze TS 8 ersetzt. Beides befindet sich noch heute im Besitz der freiwilligen Feuerwehr wobei die TS8 bis heute noch zum Einsatz kommt.
1961 – Schornsteinschwelbrand im alten Haus von Gustav Möller
1962 – Brand im Wohnhaus von Arnold Seligmann
1963 – Brand der Mühlscheune von Dr. Carl Reinhard
1965 – 1973 Hans Wenzel, Ortsbrandmeister
1968 – Brand eines kleinen Stallgebäudes von Emil König
Nach der Gebietsreform in den 1970er Jahren wird somit auch die freiwillige Feuerwehr in die neue Gemeinde Schenklengsfeld integriert. Aus den Ortsbrandmeistern wurden Wehrführer.
1973 bis 1980 August Hohmann, Wehrführer

Im Jahre 1974 erhielt die Feuerwehr auf dem gleichen Grundstück wie das Dorfgemeinschaftshaus ein neues Feuerwehrgerätehaus.
1976 – Großbrand des leerstehenden Hühnerstalls ( 12 x 60 Meter) von Dr. Carl Reinhard
Das 50jährige Bestehen der freiwilligen Feuerwehr Unterweisenborn wurde im Jahre 1980 gefeiert.
1981 bis 1996 Reinhold Fiedler, Wehrführer
1983 – Großbrand bei Hans Bock; Kuhstall und Scheune sowie die Scheune vom Nachbargrundstück von Georg Bock
1983 – Großbrand des Stallgebäudes und Teile der Scheune durch Blitzeinschlag bei Carl-Otto Reinhard
1984 – Gründung der Damen- und Jugendfeuerwehr
Die Betreuung der Damen- und Jugendfeuerwehr übernahm Christa Fiedler.
Ziel und Aufgabe ist es, die schon bestehende freiwillige Feuerwehr zu unterstützen. Somit sind 40 % der Einwohner von Unterweisenborn Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Unterweisenborn.
1985 – Hochwasseralarm
1990 – Schwelbrand an der Scheune von Hans Möller. Durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr wurde der Brandherd im Keim erstickt.
1990 – Großbrand bei Adolf Rüger Die Scheune und ein Teil vom Stall wurden vernichtet.
Das 60jährige Bestehen der freiwilligen Feuerwehr Unterweisenborn wird am 02.03.1991 gefeiert.
1992 – Schadenfeuer auf dem Anwesen von Wolfgang Thomas
1997 bis 2002 Achim Pfromm, Wehrführer
2001 – Zimmerbrand bei Rolf Hengstenberg
2003 bis 2007 Karl-Otto Reinhard, Wehrführer
2008 bis 2011 Christine Pfromm, Wehrführerin
2012 bis heute Axel Rosenthal, Wehrführer

Die Alarmierung der Feuerwehrleute erfolgte in den früheren Jahren durch einen Hornisten. Später wurde auf dem Dach des neuen Schulgebäudes eine elektrische Feuerwehrsirene installiert.
Als einziger Verein im Dorf ist die Feuerwehr nicht nur für den Brandschutz zuständig, sondern sie übernimmt auch die gesellschaft lichen Aufgaben wahr. Hierzu gehören neben der Ausrichtung des jährlichen Grillfestes auf dem Spielplatz auch die Übernahme von gemeinnützigen Arbeiten innerhalb des Dorfes.