Strohhäischer



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"Deh Strohhäischer" ... Die Strohbettler ... ...das ist der Spottname aus alter Zeit für Schenklengsfelder.
Auch andere Orte haben solche Namen, wie z.B. deh "Lensebiddel", deh Schnäigaens", deh "Meckestärmer", deh "Gahl-Bäern", deh "Bäker", aber auch deh "Mistketze".

Jeder dieser Namen geht auf historische Begebenheiten oder auch nur den Spott der Nachbarorte zurück. Im Ort Schenklengsfeld, im Landecker Amt gelegen, hatten die hörigen Bauern für ihre Herrschaft (ab1648 die Hessischen Landgrafen) neben dem Zehnten auch den Hand- und Spanndienst als zusätzlich und "ausserordentliche" Dienste zu verrichten - wie anderswo auch. Die speziellen Dienste der Schenklengsfelder waren das Einfordern von Stroh aus den umliegenden Ortschaften, die zum Landecker Amt gehörten. Man sprach vom "Stroh-Häische" (Stroh betteln). Benötigt wurden die Abgaben von Stroh für die Pferde der Forstbeamten, wenn jährlich das Amt bereist und inspiziert wurde. 1828 wurde die Abgabe dann im Zuge der Bauernbefreiung ersatzlos gestrichen, weil man in den Akten kein Dokument finden konnte, in dem diese "Steuer" angeordnet war. Der Name aber ist geblieben: man lachte weiter über die Schenklengsfelder, die einst sogar Stroh für ihre Herrschaft holen mussten.

Am 20. Mai 2001 wurde zur Erinnerung eine bronzene "Strohhäischer-Figur" am Rathausplatz aufgestellt.

 

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