Radio Landeck

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Die Macher von Radio Landeck: Johannes Hesse (links) fährt die Sonntagssendung von seinem Heimstudio in der Hersfelder Straße aus und kramt für seine Hörer in der Plattenkiste. Hörfunk-Profi Hans Karl Schmidt (rechts) bereitet an seinem Aufnahmeplatz zu Hause eine Mischung aus Plauderei, Poesie und Musik vor. Fotos: nh

Die Hersfelder Zeitung am 28.01.2011

radiologoSchenklengsfeld. „Hier ist Radio Landeck“, tönte es am vergangenen Sonntag kurz nach zehn Uhr aus den Computer-Lautsprechern, die rechtzeitig eingeschaltet worden waren. Die Stimme klang älteren Semestern irgendwie vertraut. „Mein Name ist Hans Karl Schmidt, die Technik besorgt Johannes Hesse.“

Richtig, das war doch der Hans Karl Schmidt, genannt Atze, jahrzehntelang Dampfplauderer und Discjockey auf Deutschlands Radiowellen, besonders im Hessischen Rundfunk, mit typischem Berliner Akzent.

Atze geht mit der Zeit. Kurz vor seinem 80. Geburtstag macht der multimedial tätige Unruheständler wieder Radio – übers Internet. Gemeinsam mit seinem Freund Johannes Hesse betreibt er seit einigen Jahren das nicht kommerzielle Internetportal www.schenklengsfeld.info. Dessen Startseite ziert seit kurzem ein stilisiertes Männchen mit Mikrofon. Wer darauf klickt, landet bei Radio Landeck. Untertitel: „Das Dampfradio aus dem Landecker Amt – ein Premium-Produkt für die positiven Töne.“

Radio Landeck sendet bisher allerdings nur sonntags ab 10 Uhr bis etwa 15 Uhr. Ab 18 Uhr wird das Programm noch einmal in Ausschnitten bis 20 Uhr wiederholt. Bisher jedenfalls – die Sendestruktur ist flexibel und ausbaufähig.

Ein besonderes Format

„Wir können beweisen, dass dieses Radio etwas hat, was man in der aktuellen Radiolandschaft vermisst“, erklärt Hans Karl Schmidt. Es ist das Format der personalisierten Radioshow, individuell gestaltet vom Moderator mit ausgewählter Musik und viel direkter Höreransprache.

Hesse, gelernter Werkzeugmacher im Vorruhestand und in der Medienbranche begeisterter Autodidakt, besorgte die Radio-Software und richtete sie auf seinem Computer ein. Nach ein paar technischen Testsendungen ging Radio Landeck am vergangenen Sonntag offiziell in Betrieb.

E-Mails aus Übersee

Hesse ist begeistert von der Resonanz: Rund ein Dutzend E-mails von Hörern ging schon während der Sendung ein, darunter Stimmen aus den USA und aus Australien, Menschen, die unter dem Stichwort „Schenklengsfeld“ das Internet durchsucht hatten.

Tragende Säule des Programms ist die Sendung „Atze und Co“ von und mit Hans Karl Schmidt. Sie passt zum gemütlichen Sonntagsfrühstück oder zum Träumen vor dem Kamin, mit viel Musik fürs Gefühl, besinnlichen und heiteren Gedichten und knarzenden Klassikern der Hörfunkunterhaltung. Da meldet sich der Reporter vor Ort vom Tanztee im Seniorenheim Abendfrieden, der Moderator klatscht beim spanischen Flamenco den Takt mit und bestellt bei der Regie einen Malzkaffee.

„Atze“ Schmidt bereitet diese Sendung mit Hilfe seines unerschöpflichen Archivs an Tonträgern an seinem Schnittplatz zu Hause vor. Hesse steuert mit „Johannes’ Kramladen“ eine Mischung aus Oldies und aktuellen Schlagern bei, in der auch Hörerwünsche erfüllt werden, so weit sich die Titel in der Plattenkiste finden lassen. Am morgigen Sonntag will er eine ganze Stunde Elvis Presley widmen.

Als dritter im Bunde liefert der TV- und Hörfunkproduzent Mathias Welp aus Kassel eine Vinylplatten-Parade zu.

Trotz des hohen technischen und kreativen Einsatzes lässt sich mit Radio Landeck kein Geld verdienen. „Spaß an der Freude“ nennt Johannes Hesse als Motivation für das unkonventionelle Programm

Von Peter Lenz

Bericht der Hersfelder Zeitung

02.04.11 – SCHENKLENGSFELD

„Alte Hasen“ zurück im Studio: „Radio Landeck“ sendet im Internet

Radio mal anders: Die Idee kam Hans Karl Schmidt („Atze“), als er wieder mal das Osthessen-Journal las. Das ganze nun akustisch umsetzen…. das müsste doch möglich sein. Es wurde möglich. Durch Johannes Hesse, der die Plattform besorgte und sich um die Sendetechnik kümmerte. „Atze“ war in seinem Element, Radio „ganz ohne Auflagen, einfach senden was den Hörern gefallen könnte“.

Hans Karl Schmidt hat Erfahrung. 1956 legte er zum ersten Mal eine Platte auf bei RADIO CHRS in Kanada. Damals „Heimatlieder“ für jene, die in die Neue Welt eingewandert waren. Als Deutschland mit dem Wirtschaftswunder glänzte, zog es ihn zurück in die BRD. Beim Rias Berlin bekam er seine Chance, und nach einem Jahr wechselte er zu Radio Luxemburg. Er war als gefragter „Wellen-Clown2 auch bei der Europa Welle Saar, beim WDR, beim SWF und beim Hessischen Rundfunk.

Als man ihn dort „rausmobbte“, wie er selbst erzählt, wurde es still um „Atze“. Nach einer Pause von fast einem Jahrzehnt fing er wieder an, mit „seinem“ Radio, wie er sagt, jeden Sonntag ab 10 Uhr mit „Atze & Co“. Ein Programm, das bunter nicht sein könnte, anders als das FORMATRADIO ist es aber allemal. Verstärkung hat er durch „Matze“ Welp, auch ein alter RADIO IO Hase, der von 12 – 13 Uhr alte und neue Schallplatten auflegt.

Matze hat sein Studio in Kassel. Das Hauptstadt Studio Berlin betreut Peter Sturm, der seinen „Musicmix“ dort auch liebevoll zusammenstellt. Studio Frankfurt ist die Domäne von Wolfgang Roth, einem Bildjournalisten, der seit Jahren vom Dampfradio begeistert ist und sein Musikangebot einbringt. Er sendet zwischen 2:00 Uhr und 3:00 Uhr „erlesene Noten“. Bernd Löwenberger ist ein neues Mitglied der Gruppe, aber mit derselben Freude in seiner Sendung aus dem Studio Kircheim dabei. Über Johannes Hesse lässt sich vieles sagen, obwohl er das nicht so gern hat – er leidet ständig unter Zeitnot, kein Wunder ist er doch gefragter Mediengestalter. So manche Website trägt seinen Namen, dennoch findet er als Cheftechniker immer ein paar Minuten um mitzusenden – nach 16 Uhr, wenn er in den „Melodien von vorgestern“ kramt…