Wippershain

Urkundliche Ersterwähnung von Wippershain
Wann Wippershain gegründet wurde, ist unbekannt.
Die ältesten Dokumente, die die Existenz sicher belegen, sind zwei Urkunden des Benediktinerinnenklosters Kreuzberg (Marktgde. Philippsthal, Kr. Hersfeld-Rotenburg) vom 1. März 1317.
Hier wird Wippershain als Wyprechteshain über ein und dasselbe Finanzgeschäft erstmalig erwähnt.
Die eine Urkunde (StA Marburg, Urk. 57, Nr. 497) wurde von dem Dekan Berthold und dem Konvent der Reichsabtei Hersfeld ausgestellt und von Abt Andreas von Hersfeld (spitzovales Thronsiegel, abhängend, beschädigt) und dem Konvent (abhängend, verloren) besiegelt.
Die Gegenurkunde (StA Marburg, Urk. 57, Nr. 498) wurde von dem Edelknecht Berthold von Borsa (Borsch, Stadt Geisa, Wartburgkreis) und seiner Ehefrau Lukardis ausgestellt und wegen deren Siegelkarenz von Friedrich von Romrod besiegelt (Wappenbildsiegel, rund, abhägend, sehr stark beschädigt).
(Dr. Vahl , Staatsarchiv Marburg)

Der Namensgeber Wigbert
Der Ortsname „Wippershain“ hat sich im Laufe der Geschichte mehrfach geändert:
Wyprechteshain (1317) → Wypersheim (1494) → Wippershain (1559)
Die Namensgebung ist ohne Zweifel auf den Hl. Wyprecht (oder auch Wigbert) zurückzuführen, der im Jahr 737/738 verstorben war. Die Lage an der Altstraße, auf der die Pilger zu dem Heiligengrab in Hersfeld kamen, mag mit dazu beigetragen haben. Die Höhenstraße hieß in diesem Abschnitt „Karlsstraße“, da Karl der Große hier von der Weser kommend nach Würzburg weitergereist sein soll.
Wigbert (Name bedeutet „Der im Kampf Glänzende“ – althochdeutsch) war ein Heiliger im Mittelalter.
Er war sogar der wichtigste Heilige der Hersfelder Stiftskirche, wo der Hochaltar neben den Aposteln Simon und Judas Thaddäus ihm, Wigbert, geweiht war. Von Wigbert wissen wir, dass er aus England stammt, also Angelsachse war. Seine Heimat war die Grafschaft Wessex, westlich von London. Wahrscheinlich, so wird angenommen, war er Mönch im Benediktinerkloster Nutcelle ( jetzt Nursling) in Süd-England gewesen. Jedenfalls folgte er 730 dem Ruf von Bonifatius, nach Deutschland zu kommen, und wurde von diesem als Schulvorsteher und Abt des Klosters Fritzlar eingesetzt. Von hier aus war er an der Mission in Hessen und Thüringen beteiligt. 732 kehrte er nach Fritzlar zurück, wo er nach langer Krankheit verstarb. Zunächst wurde er in Fritzlar begraben, aber der größte Teil seiner Gebeine wurde am 13. August 780 in die Stiftsruine nach Bad Hersfeld gebracht und hier feierlich bestattet. Bad Hersfeld wurde damit ein Wallfahrtsort für Pilger aus Hessen und Thüringen. Und sogar von Krankenheilungen am Grabe von Wigbert wird berichtet. Das Grab hatte Bestand bis 1761, als es durch den Brand der Stiftskirche zerstört wurde.
Darstellung des Hl. Wigbert in der Klosterkirche St. Marien in Burlo
(www.wikipedia.org/wiki/Wigbert)

Wunder
Als einmal kein Wein für die Messe vorhanden war, pflückte Wigbert der Legende nach eine Traube von einem imaginären Weinstock, presste sie über dem Kelch aus und steckte eine nicht zerdrückte Beere vor der Kirche in den Boden; ein mächtiger Weinstock soll daraus gewachsen sein. Eines Tages habe ihm ein Vogel vom Himmel her einen Fisch gebracht – Hinweis auf das Geschenk des Evangeliums mit dem Fischsymbol für Christus -, was Wigbert nach eigener Bekundung Richtschnur der ganzen Lebensführung war.
Wigbert starb nach langer Krankheit in Fritzlar. Dreimal soll bei der Grablegung ein in allen Farben schimmernder Paradiesvogel um seinen Leichnam fliegend gesehen worden sein – ein Hinweis darauf, dass sein ganzes Wirken als vom Geist Gottes erfüllt angesehen wurde.
(Joachim Schäfer: Aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon)