Judaica-Museum Schenklengsfeld

Ehemaliges jüdisches Lehrerhaus und Förderkreis.
Zu Anfang der 1990er Jahre wurde das Lehrerwohnhaus der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Schenklengsfeld aus kulturgeschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz gestellt. Dem aus einer Bürgerinitiative zur Erhaltung des Hauses hervorgegangenen Förderkreis Jüdisches Lehrerhaus Schenklengsfeld e.V. gelang es 1994 ein Nutzungskonzept zu erstellen und die Bausanierung finanziell abzusichern. Die Bauarbeiten begannen im Herbst 1996 und schon Anfang 1998 konnten zwei Familien in die oberen Stockwerke des Hauses einziehen. Die Räume in Erdgeschoss wurden anschließend zu einer Begegnungsstätte für Kultur und Geschichte eingerichtet. Im großen Seminarraum mit Judaica-Fachbibliothek können sich Besuchergruppen und Schulklassen zur Geschichte der ehem. jüdischen Gemeinde von Schenklengsfeld informieren. Im Museum selbst sind in Vitrinen zahlreiche Exponate u.a. zur jüdischen Religionsausübung ausgestellt.

Eine besondere Vitrine ist den Familien der ehemaligen jüdischen Gemeinde von Schenklengsfeld gewidmet. Hier sind Familienfotos, Reisepässe, Zeugnisse und sonstige Dokumente zu sehen, die an die Dorfnachbarn jüdischen Glaubens erinnern, deren Vorfahren seit vielen Generationen im Ort gelebt haben und auch hier begraben wurden.

Die ersten Judenfamilien sind wohl um das Jahr 1780 in Schenklengsfeld ansässig geworden. Vierzig Jahr später waren dann 13 Familien jüdischen Glaubens im Ort mit einer Kopfzahl von 99 Personen. Einer der ersten Händler war Hermann Herz. Da er mit Eisenwaren handelte, wurde er nur „Eisenherz“ genannt, ein Name, der auch auf seinen Nachfolger A&S Katz übertragen wurde. Weitere bekannte Juden waren Getreidehändler Löwenberg und die Pferdehändler Abraham und Weinberg.

Um 1840 zogen weitere Juden aus Erdmannrode, Mansbach und Rhina zu. Im Jahre 1892 wurde die Synagoge, die 100.000 Mark kostete, von Heinrich Hermann aus Heimboldshausen gebaut. Die Bauausführung mit behauenen Sandsteinen brachte für den Unternehmer keinen Gewinn.

Bis zum Jahre 1909 bestand eine jüdische Gastwirtschaft mit Zigarrenfabrik. An ihrer Stelle stand später der „Landecker Hof“. 1902 baute die jüdische Gemeinde eine einklassige Schule und stellte einen jüdischen Lehrer ein. 1933 stellten die Juden mit 38 Familien auf 32 Grundstücken von insgesamt 176 Personen 108 Wahlberechtigte. Jeder 5. Einwohner Schenklengsfelds war Jude. In den ersten Jahren des Dritten Reiches haben sich insgesamt 129 Juden polizeilich abgemeldet:

1933 – 11 Personen
1934 – 13 Personen
1935 – 11 Personen
1936 – 33 Personen
1037 – 19 Personen
1938 – 31 Personen