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Friedhof

Historischer Friedhof

Die Geschichte

Am Eingang des Friedhofes f√§llt sofort ein kleiner Ger√§teschuppen auf, der fr√ľher einmal zur Aufnahme des Totengr√§berger√§tes diente. Eigenwillig mutet die achteckige Bauart an. Die Seitenw√§nde sind geschindelt. Gekr√∂nt wird das seltsame H√§uschen durch eine schlanke Dachkonstruktion, die ebenfalls mit Holzschindeln gedeckt ist. Der Landeskonservator hat dessen Eigenart zum Anlass genommen, das kleine Bauwerk unter Denkmalschutz zu stellen, und erstellt noch heute Mittel f√ľr dessen Erhaltung zur Verf√ľgung.
Daneben ziehen die beiden so verschiedenartigen Friedhofsteile den Blick an. Auf der einen Seite sind es die sch√∂n ornamentierten Grabsteine mit viel Kunstsinn, die freilich einen Kontrast bilden zu den auf der anderen Wegseite stehenden Grabmalen mit viel Beton und Glasplatten und √ľppiger Goldschrift.

Immer schon war der Friedhofsboden teuer, und die Grabpl√§tze wurden dicht an dicht gelegt, aber sie hatten den Vorteil, dass man den im heimatlichen Boden anstehenden Naturstein benutzte und nicht fabrikfertige Steine aus kostbarem Importmarmor in Schwarz und Wei√ü aufstellte. Daher wurden im Jahre 1959 vom Landeskonservator Dr. Bleibaum als eine der Aufgaben des Hessischen Heimatbundes Kurhessen und Waldeck die restauratorische Pflege alter Friedh√∂fe auch hier in Angriff genommen und zwischen dem altehrw√ľrdigen Friedhofsteil und der neuen Abteilung eine Hecke gepflanzt, die freilich noch weiterer Aufforstung bedarf. Umgefallene Steine wurden dabei wieder aufgerichtet und die Fl√§che planiert. Einer der Gr√ľnde f√ľr die Umgestaltung dieses alten Friedhofsteiles war, die alten Grabsteine, die von einer hervorragenden Steinmetzkunst zeugen, andererseits aber auch f√ľr die Familien- und Sippenforschung einen nicht unbedeutenden Wert haben, zu erhalten.

An die 270 Grabsteine aus heimischen Buntsandstein bilden diesen √§ltesten Friedhofsteil. Der Sandstein stammt aus der Gemarkung Hilmes. Die zum Teil mehr als 350 Jahre alten Grabsteine zeugen noch heute von der eminenten Festigkeit dieser Gesteinsart. Vorwiegend sind es die Steinmetzen St√∂ppler aus Schenklengsfeld gewesen, die in vielen Generationen die Sandsteine bearbeitet und es dabei zu wahrer Meisterschaft gebracht haben. Durch die H√§rte des Gesteins bedingt sind noch jetzt die meisten aller Inschriften, die sich auf beiden Seiten der Grabsteine befinden, gut zu lesen. Dabei ist allerdings zu ber√ľcksichtigen, dass die meisten der noch gut erhaltenen Steine aus der Zeit von 1780 bis 1870 stammen.

Auf der Vorderseite finden wir stets die Lebensdaten der Verstorbenen, von k√ľnstlerisch aus dem Stein herausgearbeiteten Symbolen oder feinen Ziselierungen umgeben. Vorwiegend sind es Engelsgestalten, Anker, Krone, Blumen (wobei Tulpen √ľberwiegen), Trauben und verschiedenartige Ornamente. Daneben fehlen auch nicht die Darstellungen von Personen, die besonders f√ľr den Heimatfreund und Heimatforscher sehr wertvoll sind, weil an vielen von ihnen die Landecker Tracht zu erkennen ist. Oft sind sogar durch die feinen Ziselierungen genaue Einzelheiten davon zu erkennen, ein Beweis also, mit welcher Liebe und Freude an der Arbeit die Steinmetzen hier zu Werke gegangen sind.
Die R√ľckseite der alten Grabsteine zeigt uns immer den Leichentext auf. Die Steintafeln sind bis zu 75 cm breit und fast ausschlie√ülich √ľber einen Meter hoch. Der obere Abschluss ist verschiedenartig, wobei Kleeblatt-, F√§cher-, und Hufeisenbogen in den verschiedensten Variationen vorkommen. Auch die Seitenteile sind sehr vielgestaltig und weisen ornamentale Bearbeitung auf.

Beim genauen Betrachten einzelner Grabsteine finden wir heute noch hier und da Spuren von blauer und roter Farbe. Es darf mit Recht angenommen werden, dass sie in den fr√ľheren Jahrhunderten in diesen Farben auf dem Gottesacker gestanden haben.

Erw√§hnenswert noch, dass die Gr√§ber fr√ľher familienweise zusammen lagen, aber durch die Umgestaltung im Jahre 1959 die Steine teilweise in anderer Form Aufstellung gefunden haben. Gleichzeitig mit diesen Aufr√§umungs- und Instandsetzungsarbeiten, bei denen auch Fl√§chen planiert worden sind, entstand eine neue Friedhofskapelle, in der schon 1959 die ersten Toten aufgebahrt werden konnten. Die Kosten der Umgestaltung von etwa 6.000 DM sind zu einem Drittel vom Landeskonservator √ľbernommen worden.
Abschlie√üend sei noch die niedrige Friedhofsmauer erw√§hnt, die aus Feldsteinen erbaut ist. Wie alte Einwohner zu berichten wissen, sollen die Abdeckplatten auf der Dorfseite zum Teil noch aus Grabsteinen von den beiden √§ltesten Schenklengsfelder Gottes√§ckern bestehen. M√∂glicherweise erf√§hrt der alte Teil des Friedhofes nochmals eine Umgestltung, um dem Kontrast zum nebenanliegenden neueren Teil die Sch√§rfe zu nehmen. Diese Vermutung l√§sst sich aus dem Ergebnis einer Besichtigung der Arbeitsgemeinschaft "Friedhof und Denkmal" unter deren Vorsitzenden Dr. Boehlke ableiten, die nach Zeitungsmeldungen am 17. M√§rz 1964 stattgefunden hat. Ziel dieser Arbeitsgemeinschaft ist es, sogenannte "Steinw√ľsten" mit allem Unsch√∂nen und Unk√ľnstlerischen von den Friedh√∂fen zu verbannen. An dieser Besichtigung nahmen B√ľrgermeister, Pfarrer, Bildhauer, Lehrer und andere heimatkundlich interessierte B√ľrger teil.

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