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Burgruine Landeck

Burgruine Landeck

Auf dem sĂŒdwestlichen Kopfe des Landecker Berges. 475 Fuß ĂŒber Schenklengsfeld und 122 Fuß unter dem eigentlichen Berggipfel, steht die Ruine eines einst gewaltigen Schlosses. Die noch vorhandenen Ringmauern, WallgrĂ€ben, AußenwĂ€lle und in einem rechten Winkelzueinander stehenden eigentlichen Schloßmauern lassen dieses deutlich erkennen. Recht eigenartig ist das Mauerwerk, welches scheinbar Ă€hnlich wie die heutigen Betonbauten aufgefĂŒhrt wurde, nur mit dem Unterschied, dass man frĂŒher aussen und innen ziemlich gleichmĂ€ĂŸige Steine aufschichtete, dazwischen aber unsortierte Steine in allen GrĂ¶ĂŸen warf und dazwischen flĂŒssigen Kalk mit Sand goß, also gewissermaßen das hohl gelegte Mauerwerk ausfĂŒllte.
Außerdem wurde im Mittelalter bei dem Bau von Burgen vielfach Buttermilch zwischen den Mörtel gemischt, um diesen haltbarer zu machen. Der Mörtel ist nach und nach so fest geworden, daß eher ein StĂŒck vom Stein, als diese Bindemasse abbricht. Doch nach und nach hat der Zahn der Zeit an den Mauerresten arg genagt, und was dieser nicht vollbrachte, haben die Jungens in ihrer unverstĂ€ndlichen Zerstörungswut vielfach zu Ende gefĂŒhrt.
Das Schloß wurde von der Abtei Hersfeld erbaut zu dem Zwecke, ihre Hörigenin dieser Gegend vor den Raubrittern zu schĂŒtzen. Die Zeit der Erbauung lĂ€sst sich nicht genau ermitteln, doch ist festgestellt worden, dass sie schon im zwölften Jahrhundert gestanden hat. Die Burg soll zu den kleinsten in Hessen gehört haben. Der Eingang zu derselben fĂŒhrte von der HochflĂ€che des Berges aus ĂŒber eine ZugbrĂŒcke. Die Burg war von dieser Seite her durch einen doppelten Wallgraben und eine hohe Mauer geschĂŒtzt. NatĂŒrlich konnten infolge Wassermangels die WallgrĂ€ben nicht mit Wasser gefĂŒllt sein. Von der ZugbrĂŒcke gelangte man in den ersten Teil der Burg, in den sogenannten Zwingelhof, auch Zwinger genannt. Dieser diente als Viehhof, als Stand fĂŒr die Reitpferde und als Aufenthaltsort fĂŒr die Reitknechte. es ist dieses der Platz, wo heute die Fichten stehen. Vom Zwingelhof fĂŒhrte eine TĂŒr in den Turm und den eigentlichen Burgraum. Eine heute noch vorhandene Erhöhung (Spielplatz) zeigt uns genau an, wo die Burg mit ihrem nach Westen hin glĂ€nzenden Schieferdach gestanden hat. Unter dieser Burg befanden sich die Keller, in welchen, der Sage nach, sich noch bedeutende ReichtĂŒmer befinden sollen.
Im Hintergrunde, wo heute der Bierausschank ist, befanden sich die RĂ€ume fĂŒr die Frauen, die KĂŒche, die Kapelle und die Arbeits- und AufenthaltsrĂ€ume fĂŒr das Gesinde. Die Ă€ußere Mauer (nach dem heutigen Tanzplatz) umfasste den Vorraum vor dem Bergfried, dem höchsten und stĂ€rksten Turm, welcher seinen Eingang im zweiten Stockwerk mittels ZugbrĂŒcke hatte. Wenn das KriegsglĂŒck ungĂŒnstig und der Zwingelhof und Rittersaal bereits dem Feind in die HĂ€nde gefallen waren, so zog man sich in die GemĂ€cher dieses Turmes zurĂŒck. Er war also der letzte Zufluchtsort in höchster Gefahr. Der Turm war derartig befestigt, dass er mit den Waffen der damaligen Zeit nicht so leicht zu erobern war. Ein solcher Bergfried war gewöhnlich rund und hatte einen Durchmesser von 20 bis 40 Fuß, eine MauerstĂ€rke von 5 bis 15 Fuß und eine Höhe von 90 Fuß. Oben unter dem Dach hatte der Turmwart seinen Platz.

Es muss ein herrlicher Blick von des Schlosses Zinnen aus auf die Umgebung gewesen sein, doch wollen wir uns denselben nicht allzu rosig malen, denn ihm, dem die Bewachung der Burg anvertraut war, dĂŒrfte manchmal beim Herannahen der feindlichen Raubritter der Schönheitssinn fĂŒr die Natur vergangen sein. Wenn heute der Bergfried noch erhalten wĂ€re, so wĂŒrde ein Blick von der Zinnedesselben tatsĂ€chlich unvergleichlich sein. Hat man doch schon einen schönen Rundblick von dem kleinen Vorsprung oberhalb der Rutsche (Rötsch), obwohl man von hier aus nur nach einer Seite sehen kann.
Einen Brunnen hat die Burg nicht besessen. Das Wasser wurde durch Esel in BĂŒtten aus dem noch heute unterhalb des Schlosses, an der sogenanten Schloßwand (steilen Bergabhang), sich befindlichen Eselsbrunnen geholt.

Vor der Burg, in der Richtung nach Ausbach hin, standen mĂ€chtige LindenbĂ€ume, auch waren große Beete fĂŒr GemĂŒsebau, ebenso ZiergĂ€rten angelegt. Die Spuren von den letzteren sind heute noch vorhanden; es befinden sich an dieser Stelle nĂ€mlich noch Wucherungen von WintergrĂŒn, einer dunkelgrĂŒnen, recht saftig aussehenden Schlingpflanze, die auf dem Berg sonst kaum anzutreffen ist. Unter dem jetzigen Tanzplatz ist tatsĂ€chlich noch ein Keller, und zwar der Keller des Bergfrieds, vorhanden. Ältere Leute erinnern sich, von ihren Vorfahren gehört zu haben, dass der Hilmeser Wirt in diesem Keller frĂŒher ausgeschenkt habe, wĂ€hrend oben getanzt wurde. Auch haben heute noch lebende Bewohner als Jungens an Stellen, wo es hohl klang, ein kleines Loch gemacht und mit einer Bohnenstange durchgestoßen, wobei sie einen hohlen Raum entdeckt haben. Der Eingang zu dem Keller ist an der Hilmeser Seite gewesen. Die Schloßmauern waren vor 120 Jahren noch in gutem Zustande, sogar lagen oben auf denselben noch die alten Eichenholzschwellen. Allem Anschein nach sind die eigentlichen Schloßkeller heute noch unversehrt, denn es sind nirgens Einbruchstellen zu entdecken. Die Westseite des Schlosses grenzte direkt an den steilen Bergabhang, so dass von dieser Seite kein Angriff zu befĂŒrchten war.

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