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Badborn

Der Badborn: Heilwasser aus Bad Schenklengsfeld

Auf dem Brunnenstein des Badborns ist die Jahreszahl 1931 mit einem Trinkglas und dem Schriftzug „Rhönklub“ zu sehen. Die Errichtung dieser Brunnenanlage ist dem 1928 gegründeten Rhönklubzweigverein Landeck zu verdanken. Zunächst stand die Anlage ganz vorne am Weg gleich hinter der Kreisbahnbrücke und musste wegen des Ausbaus der Straße in 1962 zurückgesetzt werden. Bei dieser Baumaßnahme des Heimatvereins Landeck unter Leitung seines damaligen Vorsitzenden Heinrich Strack kamen noch Reste der ehemaligen Badeanlage zum Vorschein, auch wurde eine kleine Parkanlage geschaffen, wie sie im Wesentlichen noch heute besteht (siehe dazu den Zeitungsbericht von 1962 mit Foto)

Ein Rhönklub-Zweigverein wird 1828 in Schenklengsfeld gegründet

Wie ist es zu diesem Rhönklubzweigverein in Schenklengsfeld gekommen?

Mit einem Brief von Landrat Kirschbaum aus Hersfeld vom 9. Mai 1928 an den Vorstand des Rhönklubs in Fulda beginnt ein erhalten gebliebener Briefwechsel, der die Gründung eines Rhönklubzweigvereins Landeck Schenklengsfeld im Juli 1928 belegt. Mit diesem Brief wurde eine Liste von 48 Einwohnern aus Schenklengsfeld und Umgebung vorgelegt, „bei denen ein Interesse für den Rhönklub erwartet werden kann“. Allerdings wurde aus dem schon vorgeschlagenen Gründungstermin am Sonntag, dem 10. Juni 1928 in Schenklengsfeld zunächst noch nichts.

Nach weiteren Absprachen von Landrat Kirschbaum, Hersfeld, mit den Vorstandsmit-gliedern des Rhönklubs in Fulda und Hünfeld kam es am 8. Juli 1828 in der Gastwirt-schaft Geheb in Schenklengsfeld zur Gründung des Rhönklubzweigvereins Landeck Schenklengsfeld. Folgender Bericht im Fuldaer Anzeiger vom 9. Juli 1828 von der Gründungsversammlung sei hier dargestellt:

„Ein neuer Rhönklubzweigverein.

          Auf Anregung des Herrn Landrats Kirschbaum aus Hersfeld hatte sich gestern in Schenklengsfeld im Saale der Gastwirtschaft Geheb eine stattliche Anzahl von Rhönfreunden zusammengefunden, um über die Gründung eine weiteren Rhönklub-Zweigvereins für das Landeckeramt mit dem Sitze in Schenklengsfeld zu beraten. Vom Hauptvorstand des Rhönklubs waren erschienen der Präsident Herr Justizrat Dr. Pfeiffer sowie der 1. Schriftführer, Herr Dr. Muth. Der Zweigverein Eiterfeld, als der nächstgelegene, war durch eine stattliche Anzahl von Mitgliedern vertreten. Nach den einleitenden Worten des Herrn Landrats Kirschbaum entwickelte Herr Justizrat Pfeiffer in längeren Ausführungen die Ziele und die idealen Bestrebungen des Rhön-klubs, die jedoch auch mit materiellen Erfolgen, wie z.B. Hebung des Fremdenverkehrs usw. verbunden sind. Die rege Aussprache, an der sich besonders verschiedene alte Rhönveteranen beteiligten, ergab, dass für die Gründung eines Zweigvereins für das Landeckeramt, welches die nordwestlichen Ausläufer des Rhöngebirges umfasst, lebhaftes Interesse bestand.

          Die Versammlung wählte sodann als Alterspräsidenten Herrn Lehrer i.R. Steinhauer, einen alten begeisterten Rhönfreund, unter dessen Vorsitz gründete sich sodann der Rhönklub-Zweigverein Landeck, Sitz Schenklengsfeld, mit 37 Gründungsmit-gliedern. Die von den Vertretern des Hauptvorstandes vorgelegte Mustersatzung wurde als die Satzung des neu gegründeten Zweigvereins angenommen. Herr Justizrat Dr. Pfeiffer begrüßte und beglückwünschte sodann den neu gegründeten Zweigverein und erklärte, dass die Hauptversammlung in Brückenau bereits seiner Aufnahme in der Hauptverein zugestimmt habe. Es ist dies der 73. Zweigverein des Rhönklubs, der von den anwesenden Mitgliedern des Hauptvorstandes und den übrigen Mitgliedern des Rhönklubs mit einem kräftigen „Frisch auf“ und dem Absingen des Rhönliedes begrüßt wurde.“


Einem Auszug des Gründungsprotokolls können wir nun entnehmen, wer dem ersten Vorstand des neuen Vereins angehörte.

Zum Vorsitzenden wurde Lehrer a.D. B. Steinhauer aus Wippershain gewählt, der wohl auch einer der eifrigsten Befürworter für die Gründung des Rhönklubzweigvereins im Landecker Amt gewesen sein dürfte. Sein Stellvertreter wurde Justizobersekretär Breitstädt, der am damaligen Amtsgericht Schenklengsfeld tätig war.

Gewählt wurden noch zum

Schriftwart: Lehrer Pöhner, Stellvertreter: Zugführer Mansius

Kassenwart: Justizbeamter Hahn, Stellvertreter: Lehrer Mangold aus Unterweisenborn

Wanderwart: Justizobermeister Ibrom, Stellvertreter: Oberlandjäger Ackermann, alle Schenklengsfeld.

Die Zahl der Mitglieder wuchs sehr schnell auf nahezu 60 an, wie einer Mitgliederliste von 1930 zu entnehmen ist. Dieses Verzeichnis liest sich wie ein Wer ist wer im Amt Landeck. Alles was Rang und Namen hatte, war Mitglied: Fast alle Lehrer der Schulen im Landecker Amt, die Ärzte und der Tierarzt, der Amtsrichter und die Justizbeamten und –angestellten, die Polizeibeamten, Bahn- und Postbeamte, die Bürgermeister der Gemeinden, Gastwirte, Gewerbetreibende und selbstständige Kaufleute, Gutsbesitzer und Landwirte; nur einige gaben als Beruf Arbeiter an.

 

Rhönklub baut 1931 Brunnenanlage am Badborn

Möglicherweise gab es schon vor 1931 am Platz des Badborns eine Brunnenfassung, die an den alten Heil- und Gesundbrunnen erinnerte. Doch dürfte ein von Pfr. Georg Schenk im Oktober 1912 in Mein Heimatland (Beilage der Hersfelder Zeitung) veröffentlichter Artikel zum Bad Schenklengsfeld in 1688 den Anstoß zum Bau der Brunnenanlage durch den Rhönklub gegeben haben. Pfr. Schenk war bis 1932 ev. Seelsorger in Schenk-lengsfeld und hatte die im Pfarrarchiv vorhandenen Akten zum Badebetrieb von 1688 ausgewertet. So war die Geschichte vom Badborn in der Region schon bekannt und als Gründungsmitglied des Rhönklub-Zweigvereins dürfte er sich dann mit anderen für den Bau der neuen Brunnenanlage eingesetzt haben.

 

Wunder-Kuren Anno 1688:
„Blinde, Taube, Lahme und unbeschreiblich viel gebrechliche und kranke Menschen (sind) dadurch gesund geworden“. (Dr. Bachoff)

 

Bei der Verlegung des steinernen Brunnenbauwerks im Jahre 1962 durch Mitglieder des Heimatverseins Landeck wurde ein zum Teil beschädigtes mit Schreibmaschine geschriebenes Dokument in DINA4 gefunden, das nach Gestaltung und Inhalt hier wieder gegeben wird.

Die Urkunde beschreibt die schwierige politische und wirtschaftliche Situation zur Zeit der Weimarer Republik, sie verdeutlicht aber auch, wo man damals die Ursachen sah und wie die Krise zu überwinden sei, nämlich durch deutsche Gesinnung und heiße Liebe zum Vaterland – ein Trugschluss, wie sich in den kommenden Jahren von 1933 bis 1945 herausstellen sollte.

Die weiteren Nachrichten zum Vereinsleben des Rhönklubs in Schenklengsfeld sind spärlich. Einer Liste von 1933 zufolge haben fast alle Mitglieder die Zeitschrift des Hauptvereins „Die Rhön“ bzw. „Die Rhönwacht“ bezogen. In den ersten Jahren muss es eine rege Vereinstätigkeit gegeben haben, aber mit der Vereinnahmung des Rhönklubs durch die Organe der NSDAP ab 1933 kam es offensichtlich mit Heil Hitler und Führerprinzip zu einem langsamen Niedergang des Vereins. Erst im Juni 1938 ist aus einem Schriftstück zu erfahren, dass, nach dem Tod des bisherigen Vorsitzenden B. Steinhauer, Hauptlehrer Th. Wepler vom Rhönklubpräsidenten zum Zweigvereinsführer bestimmt wurde. Im Januar 1939 wählte die Jahreshauptversammlung dann Oberpost-schaffner a.D. W. Götz zum neuen Zweigvereinsführer. Er wurde vom Rhönklubpräsidenten mit „Frisch auf!“ und Heil Hitler!“ in seinem Amt bestätigt. Ein letztes Dokument vom 8. August 1941 weist schließlich besagten Wilh. Götz zum Zweigführer, Hauptlehrer Th. Wepler zu seinem Stellvertreter und Oberpostschaffner a.D. Bücking zum Kassenwart aus. Das Amt des Wegemeisters besetzte Wilh. Götz ebenfalls. Wanderwart und Dietwart wurden nicht benannt. (Der Dietwart war seit August 1934 in den Vereinen zuständig für die Bildung der Mitglieder im Sinne der NS-Ideologie.)

Es ist nicht bekannt, dass es nach 1945 Bemühungen zur Wiederbelebung des Rhönklubzweigvereins Landeck Schenklengsfeld gegeben hat. So ist uns nur die Brunnenanlage von 1931 am Badborn als sichtbares Erbe geblieben, das vom Heimatverein Landeck 1953 e.V. Schenklengsfeld seit 1962 bewahrt wird.

1995 hat der Heimatverein Landeck einen Wilkommensstein mit Wappen der Gemeinde Schenklengsfeld am historischen Badborn aufgestellt. Auf einer Bronzetafel in Form eines Lindenblattes ist die Geschichte des Badborns seit 1455 in einem kurzen Text festgehalten.

 

Einweihung der neuen Badbornanlage durch Mitglieder des Rhönklub-Zweigvereins Landeck 1931

Es stellten sich zum Foto:

Von links auf der linken Seite des Brunnens: Gastwirt Wilhelm Geheb, Hans Ernst, Heinrich Steinhauer (mit Hut), Martha Ernst, Christian Rehbein, Peter Schmidt (mit Hut), Frau Götz, Briefträger Wilh. Götz (mit Hut), Kathrin Rehbein, Konrad Hahn, Frau Lyding, Frau Geresser (mit Hut), Bürgermeister Heinrich Lyding (mit Hut), Frau Ibrom, Kind auf dem Brunnen: Artur Mansius;

Linke Seite oben rechts: Frau Steinhauer (mit Hut), Frau Schmidt, Ernst Wepler (mit MĂĽtze), Anna Mansius, Lise Hahn;

Rechte Seite von links: Minna Heimeroth, Herr Ibrom, Kurt Schäfer (mit Mütze), Lehrer Burghardt Steinhauer aus Wippershain (Vorstand), Christine Lyding, Ludwig Hetzel (mit Hut), Wachtmeister Ackermann, Lehrer Geresser, Ilse Mansius, Herr Schütrumpf, Hans Lyding, Arnold Mannel (mit Hut), Hans Steinhauer, Bäcker Heinrich Ernst, Amtssekretär Peter Henkel, Postmeister Schäfer, Wachtmeister Schmidt;

insgesamt 37 Personen

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